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100% Acryl – 100% Zum Kotzen?

Nachtrag 25.09.2015:
Da der Post mittlerweile zu den meistgeklickten gehört (was mich freut, denn ich saß hier wirklich lange dran) möchte ich noch ein paar Dinge anmerken. Über die rege Diskussion freue ich mich übrigens ebenfalls!

Erstens. An alle, die nun schreiben: “Wie kannst du nur Kunstfasern toll finden?”. Habt ihr den Post wirklich gelesen? Ich finde Kunstfasern nicht gut (Zitat: “Im Prinzip bin ich auch der Meinung, dass Naturfasern besser sind als Kunstfasern”). Ich habe zum Beispiel geschrieben, dass ich z.B. Baumwolle auch nicht unbedingt grandios finde. Daran ändert prinzipiell auch Bio-Baumwolle nichts. Denn die benötigt genauso Unmengen an Wasser für die Produktion. Man kann sich nun darüber streiten, ob es schlimmer für die Umwelt ist, Wasser en masse zu verbrauchen oder nicht abbaubare Kunstfaser-Pullover herzustellen – aber müssen wir das? Ist doch beides nicht das Gelbe vom Ei…

Zweitens. Dies ist ein persönlicher Blog. Keine wissenschaftliche Zeitschrift und keine Fachzeitschrift für Fasern (trotzdem habe ich recherchiert und Quellen genannt!). Im Prinzip habe ich mich schlau gemacht, worin die Unterschiede zwischen verschiedenen Kunstfasern bestehen und meine Erkenntnisse aufgeschrieben. Mehr nicht.

Drittens. Natürlich finde ich Bio-Fasern grundsätzlich besser, aber ich finde es ein wenig vermessen, gleich alles heilig zu sprechen, nur weil Bio drauf steht. Da muss man sich in meinen Augen genauso informieren, um beurteilen zu können, ob das nun wirklich gut und toll und schön ist.

Viertens. Der Post ist 2 Jahre alt und wird auch nicht ergänzt o.ä. Vielleicht gibt’s irgendwann einen Teil 2. Aber auch wenn ich mittlerweile vielleicht noch etwas fitter bin auf diesem Gebiet (siehe “Thema Nachhaltigkeit”) werde ich nicht den ganzen Post umschreiben – das ist mMn nicht der Sinn eines Blogs. Ich habe ihn für euch aber vom Format her etwas übersichtlicher gestaltet. Cheers ;)

kunstfasern vs naturfasern 1

Als ich neulich meinen Schrank von Sommer auf Winter umräumte, packte mich das kalte Entsetzen: Keine vernünftigen Herbstpullover. Acryl, Polyester und ähnliches grinsten mich fröhlich an. Ich fragte mich ernsthaft, ob ich in den letzten fünf Jahren keinen Wert auf “gute Fasern” gelegt habe! Aber wieso werden mir Polyester und Co. eigentlich überall madig gemacht? Was ist denn so viel besser an Baumwolle oder Wolle? Was macht die Kunstfaser so schlecht gegenüber der Naturfaser?

Ich persönlich hielt vor meiner Recherche Baumwolle für eines der wenigen vertretbaren Materialien. Schaut man sich aber in den gängigen Onlineshops um, scheint es wirklich eine Unmöglichkeit zu sein, einen Pullover zu finden, der nicht große Anteile an Polyester, Acryl oder sonstwas enthält. Schon bei den angepriesenen Produktbeschreibungen musste man eher die Wikipedia bereithalten, um überhaupt zu entziffern, woraus den Pullover xy nun hergestellt ist. 100% Baumwolle war höchst selten dabei, zumindest in der Preisklasse in der ich gesucht habe – unter 100€.

Aber was ist eigentlich drin, in den nicht-Baumwoll-Pullovern? Und ist Baumwolle wirklich so toll? Diesen Fragen bin ich auf den Grund gegangen und bin ein wenig erschüttert. Und verwirrt bin ich nun auch, denn nach stundenlanger Recherche bin ich zwar schlauer als zuvor, weiß aber dennoch nicht, welches Material mein neuer Pullover also bestenfalls enthalten sollte… Welche Fasern sind denn nun eigentlich in unseren Klamotten drin? Ein Blick aufs Etikett liefert schier unüberblickbar viele unterschiedliche Materialien. Dabei unterscheidet man in erster Linie zwischen Natur- und Kunstfasern. Bei den Naturfasern wiederum stammen manche vom Tier, manche sind pflanzlichen Ursprungs. So weit, so klar. Aber schon stehe ich vor dem ersten moralischen Problem: Wie werden die Tiere, deren Haar man verwendet damit wir im Winter nicht mit den Zähnen klappern, überhaupt behandelt?

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Die Verantwortung der Modeblogger

Schon seit einiger Zeit bin ich schon am Überlegen, eine Art regelmäßiger Kolumne auf meinem Blog einzubauen. Aus mehreren Gründen. Zum einen schreibe ich ganz gern, und ich habe so das Gefühl, dass das Geschriebene zwischen all den vielen Fotos – die ich eben so sehr liebe – ein bisschen zu kurz kommt. Zum anderen poppt gerade in der Modewelt ab und an ein Thema auf, über das ich mich stundenlang auslassen könnte.

Meist auch negativ. Vielleicht dachte ich aber auch, ich bin ein zu kleiner Fisch im zu großen Teich, und meine Meinung interessiert niemanden. Nun ist es eigentlich so, dass mein Blog für mich immer so eine friedliche, kleine Oase der positiven Gedanken und Assoziationen war und ist, aber ich glaube, ich brauche auch einen Ort, an dem ich meinen ganzen angestauten Gedanken in meinem Hirn mal etwas Luft machen kann.

Warum ich es bislang nicht umgesetzt habe, liegt auch daran, dass mir genug Stoff für die Regelmäßigkeit einer Kolumne fehlen würde. Na aber gut, dann eben unregelmäßig. :)

Ihr werdet es wahrscheinlich kaum glauben, aber mehrere solcher Posts liegen schon fertig geschrieben irgendwo vergraben auf meinem PC und ich habe sie dann doch nicht veröffentlicht. Das soll sich aber jetzt ändern. Es gibt da nämlich etwas, das mir letztens besonders übel aufgestoßen ist, als ich auf This is Jane Wayne einen Artikel mit dem Titel “Warum ich Zara hasse” gelesen habe. Der Inhalt? Die schlechten Arbeitsbedingungen bei großen Modeunternehmen. Und die Verantwortung der Modeblogger: Schließlich posten wir alle ständig schön brav weiter die lustig-bunten Werbekampagnen mit den hübschen Motiven.

Ja, verdammt! Habe ich meinen PC angeschrien. Wir Blogger, die doch (in meinem Fall) ein paar hundert Leser oder noch viele, viele mehr ansprechen, tun nichts dagegen! Und zu denen möchte ich definitiv nicht mehr gehören.

Ich kann nur für mich sprechen, und ich bin auch kein Lämmchen, was das Thema “Shoppen bei Läden, die unter bedenkenswerten Umständen produzieren” angeht. Aber darum geht es auch gar nicht. Informieren heißt der Grundstein für ein Umdenken. Das einzige, was ich mir selbst zu Gute halten kann, ist, dass mein Konsum deutlich zurück gegangen ist, seitdem ich studiere. Natürlich größtenteils aus Geldmangel, aber wenn man es sich recht überlegt, braucht man nun mal einfach nicht zehn neue Teile jeden Monat. Große Einkaufstouren, bei denen man mit fünf vollgestopften Tüten zurück nach Hause kommt, habe ich seit Jahren nicht mehr gemacht. Immerhin – ein Anfang.

Das Positive daran ist, dass dadurch auch die Anzahl an Fehlkäufen drastisch zurück gegangen ist. Auf Kleidungskonsum komplett verzichten, das ist zwar sicherlich möglich, macht aber auch keinen Spaß – aber ich möchte es noch bewusster halten. Die Einkaufslust auf DAS eine Teil reduzieren, das man unbedingt haben möchte. Zu den Produktionsländern habe ich vor kurzem übrigens noch diese informative Grafik gefunden (die ich hier zwecks Bildrechte nicht einbinden kann und will). Meiner Meinung nach gibt es nur sehr wenige Läden, zum Beispiel in der Fußgängerzone, bei denen man überhaupt weiß, wo die Sachen produziert werden – und noch weniger, bei denen mir die Antwort gefällt.

Auf der anderen Seite steht die Existenz vieler Menschen und ein mieser Gedanke, der mir in den Sinn kam: Was ist, wenn wir als Masse der Verbraucher durch Boykotts gewisser Läden dafür sorgen, dass nicht etwa höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen durchgesetzt werden, sondern schlichtweg Entlassungen die Folge sind? Ein Unternehmen das sich einen Dreck darum schert, unter welchen Bedingungen produziert wird, hat sicher auch keine großen Hemmungen, seine Mitarbeiter zu entlassen, wenn die Gewinne ein bisschen schwinden…

Tja, aber wie lautet dann die langfristige Lösung für dieses Debakel? Ich habe keine Ahnung, aber je mehr Käufer auf dieses Thema aufmerksam werden, desto besser stehen die Chancen, dass sich doch etwas tut, oder bin ich da zu optimistisch?

Mich interessiert vor allem, wie andere das sehen. Die Mädels von Amazed haben vor einiger Zeit dazu geschrieben und Les Mads verzichten gerade auf Polyester. Wie macht ihr das? Steht ihr auch kritisch zu diesem Thema? Habt ihr für euch ein Prinzip gefunden, das euch guten Gewissens einkaufen lässt? Ist einkaufen bei kleinen nachhaltigen Brands für alle Beteiligten die beste Lösung?

Das Studentendasein

In ein paar Wochen bricht für mich nicht nur ein neues Semester, sondern prinzipiell sogar ein neues Studium an. Master statt Bachelor. Einen Schritt weiter im Leben, einen Schritt näher am Erwachsensein.

Uärghs. Das klingt ganz schön spießig. An den Abschluss in zwei Jahren mag ich noch gar nicht denken. Ehrlich gesagt, habe ich auch ein bisschen Angst davor. Das Studentenleben bietet einem so viel Freiheit und ich hatte das Glück, einen Nebenjobs zu finden, bei dem ich auch recht flexibel arbeiten kann. Aber Angst wovor? Vor der Arbeitswelt? Ein wenig. Eingeschränkter zu sein, weniger Zeit für sich zu haben.

Aber habe ich wirklich so viel Zeit für mich? Ich frage mich das manchmal ganz ernsthaft, denn ich weiß es nicht. Ich bin zwar oft urlaubsmäßig unterwegs, aber meistens an Wochenenden. Denn in den ach so langen Semesterferien arbeite ich – wie so viele – meistens. Richtig frei hatte ich bisher genau einmal: Meine kleine Auszeit in Paris. Dort ist mir auch klar geworden, dass man als Student oft zum Workaholic wird.

Die meisten Studiengänge dürften sich ja bereits als Vollzeitjob herausstellen, dennoch will ja nebenbei Geld verdient werden. Ich kenne kaum jemanden, der nicht nebenbei arbeitet. Bei mir sinds mittlerweile zwei Jobs an der Uni und meine restliche Zeit geht für den Blog drauf, denn der ist ja auch ein Job. Das kann es also prinzipiell nicht sein, was mir bezüglich meiner Zukunft Kopfzerbrechen bereitet. Im Gegenteil, ich freue mich auf eine Zeit, in der ich einen tollen Job habe und nicht mehr jeden einzelnen Cent umdrehen muss.

Nein, mir ist eines klar geworden: Momentan macht mir am meisten Sorgen, dass ich an einen Job gerate, der mir so gar nicht gefällt. Sowas hatte ich schonmal, denn vor meinem Studium habe ich mich zwei Jahre lang durch eine Ausbildung gequält. In dieser Zeit habe ich mich jeden Tag mit dem Gedanken aufgemuntert, danach ein Studium antreten zu können und nicht bis an mein Lebensende an diesen Beruf gekettet zu sein. Ich wusste also immer zu schätzen, welche Freiheiten ein Studium mit sich bringt.

Vor allem eines, das einem Spaß macht. Ich könnte vielen Kommilitonen einfach ab und an ziemlich fest in den Allerwertesten treten, wenn sie meinen, das Studium wäre kacke, würde keinen Spaß machen und man sehne sich nur nach der Zeit “danach”. Dann studiert doch nicht, verdammt, möchte ich ihnen an den Kopf werfen. Aber gut, wer sein Studentenleben nicht genießt ist selbst Schuld – spätestens in der ach-so-sehr herbeigesehnten Zeit nach dem Studium wünschen sich bestimmt die allermeisten wieder in die Hörsäle und Bibliotheken der Unis dieser Welt zurück.

Ich bin mal wirklich gespannt, ob die Mentalität im Master anders ist? Zumindest die Uni hier scheint das so zu sehen. Vor dem Master in meinem Fach wird zahlenmäßig kräftig ausgesiebt. Generell scheint man die Bacheloranten eher loswerden zu wollen – die machen viel Arbeit, Abschlussarbeiten sind schnell zu schreiben und zu korrigieren und eine Zusammenarbeit mit einer Firma sind bei der Bachelorarbeit nicht erwünscht. Im Master ist das alles anders. Ich bin wirklich gespannt und ich freue mich auch gigantisch auf die nächsten zwei Jahre.

Bis ich mich also mit dem Gedanken anfreunden muss, mich von all den schönen Seiten meines Studentendaseins zu verabschieden, werde ich die nächsten zwei Jahre in vollen Zügen genießen und bis dahin vielleicht doch ein paar negative Seiten aufzuspüren. Eine Freundin schrieb mir letztens: “Ich will hier stehen bleiben. Es ist doch grade gut so.”

Ein gutes Schlusswort.

Was Modeblogger tun und lassen dürfen.

Wisst ihr, ich bin eine leidenschaftliche Kommentarleserin. Ich gucke mir einen Blogpost an, und versuche die Meinungen darunter abzuschätzen. Leider – ja, leider – liege ich damit oft ziemlich richtig. Die Anonymität des Internets macht den Menschen scheinbar zum kratzbürstigen Biest.

Ein Thema, das mir in letzter Zeit öfter aufgefallen ist: Menschen die “uns Blogger” dafür verurteilen, wir hätten zu viele Klamotten, investieren unser Geld in sinnlose Dinge und geben unser letztes Hemd für Markenware her. Von Neid wird dann oft gesprochen. Andere wären ja nur neidisch. Ich höre auch ständig Sätze wie “Ich würde ja nicht so viel Geld für Schuhe ausgeben.” Ist das Neid? Ich denke eher nicht. Prinzipiell stimmen die Aussagen ja.

Nur – ist das wirklich ein Verbrechen? Für mich ist die Mode eben ein Hobby. In freue mich wie ein Schnitzel, wenn ich mir zur Belohnung für den Bachelorabschluss ein Paar Manolos (im Sale!) oder zur Geburtstag eine tolle Handtasche gönnen kann. Und gönnen deshalb, weil dafür seeeehr lange gespart wird. Andere würden das nicht tun. Geben ihr Geld lieber für eine Wagenladung neuer H&M Klamotten aus – oder kaufen sich nur einmal im Jahr ‘ne neue Jeans, weil’s die alte nicht mehr tut. Auch okay! Soll doch jeder tun und lassen, was ihm gefällt und Freude bereitet.

Klamotten kaufen ist auch ein Hobby

Ich kannte mal einen Freundesfreund, der Spaß am Bergsteigen hatte. Um auf den Mount Everest zu klettern, legt man ein paar Tausend Euro hin. Wieder andere stecken ihr komplettes Budget das am Monatsende übrig bleibt in Fahrradausrüstung, in ihr Auto, in Urlaube, in Bücher, in ihren Computer, ins Ausgehen und Feiern, in Zigaretten. Warum nimmt man sich überhaupt das Recht heraus, darüber zu urteilen, womit andere ihre Freizeit verbringen?

Ein anderer Punkt: Viele ModebloggerInnen sind Studenten. Da kommen dann Leute daher, die sagen “Hey, so viel Kohle wie du könnte ich ja im Monat nicht in Klamotten investieren! Du kriegst ja eh alles von deinen Eltern!”
Das sind Momente, in denen man sich richtig schlecht fühlt. Schlecht, weil einem das eigene hart verdiente Geld nicht gegönnt wird. Schlecht, weil den eigenen Eltern eine falsche Erziehung vorgeworfen wird – und ich denke schlichtweg, dass das auf den Großteil der ModebloggerInnen nicht zutrifft. Vielmehr kenne ich einige Studenten, die Wohnung, Auto, Klamotten und Urlaube komplett von ihren Eltern gezahlt bekommen und noch nicht mal nebenbei arbeiten. Da muss ich mich auch zusammenreißen, sie nicht zu verurteilen. Aber hey, das ist nun mal so – es gibt immer jemanden, dessen Leben augenscheinlich viel einfacher abläuft als das eigene, Geld hin oder her.

Zugegeben: Vermutlich geht es mir als Studentin nicht schlecht. Aber dafür bin ich auch aus dem teuren München weggezogen, damit ich mir eine eigene Wohnung leisten kann. Ich habe zwei Nebenjobs an der Uni und durch den Blog kommt auch ab und an ein bisschen Geld rein. Davon wollen nicht aber nicht nur Miete und Essen, sondern auch Kleidung, Reisen (wann sonst als im Studium hat man je wieder die Zeit, viel zu reisen?), Fahrkarten nach Hause, Pizzaessen ab und zu oder der Lieferservice (den man sich sonst nicht gönnt aber manchmal will man einfach nicht mehr vor die Tür), kaputte und notwendige Dinge die ersetzt werden wollen, und so weiter finanziert werden.

Und ich denke, dass es vielen auch so geht. Jeder entwickelt doch für seine Ausgaben ein ganz eigenes Credo. Bei mir ist es: Qualität statt Quantität, das versuche ich trotz geldmäßig eingeschränktem, aber abartig tollem Studentenleben durchzuziehen.

Ich muss mich also in der Tat nicht rechtfertigen, wurde von solchen Anschuldigungen persönlich aber glücklicherweise auch bisher größtenteils verschont. Aber ein wenig fühlt man sich ja dann doch immer angegriffen, wenn man den ein oder anderen fiesen Kommentar auf anderen Blogs liest.

Drei Jahre Fashion Week Berlin: Der Versuch von einem Fazit

Ja, ich weiß, für einen Rückblick bin ich wohl auch schon fast einen Monat zu spät dran. Aber seitdem ich meinen prall gefüllten Fashion Week Koffer aus dem Kofferraum des Fernbusses wieder in mein heimeliges Wohnzimmer geschleift hatte, habe ich viel nachgedacht. Und mich auch mit einigen anderen lieben Modemenschen aus meinem Umkreis über meine Gedanken unterhalten. Und dabei festgestellt, dass ich damit gar nicht so mutterseelenallein dastehe, wie ich dachte. Nach fast drei Jahren oder auch nach sechs Saisons Fashion Week Berlin – meine erste Saison war die im Januar 2011 – ist ein persönliches Fazit längt überfällig. Ich erinnere mich noch mehr als gut an den Moment, als ich um die Weihnachtszeit herum freudestrahlend mit meiner allerersten Einladung zu einer Modenschau in der Wohnung umhergehüpft bin. Eine Einladung! Zu einer Modenschau! Ein Traum wurde wahr.

Der Zauber ist verflogen. Das klingt hart, aber irgendwie fühlt es sich so an. Die ewig gleichen uninteressanten Z-Promis in den Frontrows. Die zu großen Teilen offenbar total uninteressierte Mode-Meute. Wie sonst könnte man es sich erklären, dass auf eine Carine Roitfeld nicht gleich ein ganzer Sturm an Menschen zugerannt ist, um sie zu fotografieren? Ehrlich, ich dachte auch zuerst, ich hätte mich verguckt, da sich offenbar nur drei, vier Fotografen für sie interessierten. Aber sie war es tatsächlich, und so konnte ich in aller Ruhe ohne herumgeschubst zu werden ein Foto von ihr knipsen. Nein, Blitzlichtgewitter gibt es nur, wenn Boris Becker auftaucht. Zu gefühlt jeder einzelnen Show. Ehrlich, Leute?

Ich habe mich dann lange gefragt: Wieso fahre ich eigentlich noch nach Berlin? Da sind mir doch in der Tat mehrere Dinge eingefallen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es Designer gibt, die mich jede Saison wieder faszinieren (aber davon gibt es leider auch wenige). Dennoch finde ich es schade, immer wieder neue Talente zu entdecken, die aber spätestens ein Jahr später wieder in der Versenkung verschwunden sind. Oder auch keinen Bock mehr auf Berlin haben. Dann sind da natürlich all die lieben Bekanntschaften und Freundschaften, die sich in den Jahren so entwickelt haben. Genau wie neue interessante Menschen, auf die man trifft. Zu guter Letzt macht es natürlich großen Spaß, sich eine Show anzusehen, sich von neuen Ideen hinreißen zu lassen, sich zu freuen, wenn der Lieblingsdesigner genauso inspirierend und großartig war wie in der letzten Saison, Fotos zu knipsen, einen Beitrag zu schreiben. Aber nach dem ersten Tag hat man bereits so viel Input auf der eigenen Festplatte im Kopf und auf der des Laptops gesammelt, dass es für zwei ganze Wochen Output auf dem Blog reicht. Spätestens nach dem zweiten Tag ähnelt alles eher einem Delirium, man verfällt in Massenproduktion. Karte abholen, Sitzplatz einnehmen, Show ansehen, Beitrag verfassen und das ganze von vorn. Der Vorsatz, sich doch nur die drei am hoffnungsvollsten klingenden Shows pro Tag zu Gemüte zu führen, hält ja dann irgendwie doch nicht lange vor. Ist vielleicht auch die Gier nach möglichst schnell veröffentlichten Onlineartikeln daran Schuld? Ich habe aber auch das Gefühl, meine Gedanken zu einer Kollektion sofort irgendwo notieren zu müssen, denn spätestens eineinhalb Stunden später, wenn bereits die nächsten Models des nächsten Labels über den Runway marschieren, fangen die eben eingesogenen Impressionen bereits wieder an, zu verschwimmen. Tilt.

Im Großen und Ganzen fahre ich also nach Berlin wegen vier, fünf Highlights und um die ganze liebe Modemeute wieder zu treffen, deren Bekanntschaft man in den letzten drei Jahren machen durfte – weil man es sonst ja auch nicht schafft, sich mal zu treffen, weil man eben schlichtweg nicht in der selben Stadt wohnt. Und dann schaffe ich es noch nicht einmal, alle zu treffen, die man eigentlich sehen wollte. Denn jeder einzelne lebt in dieser einen Woche nach seinem ganz individuellen Zeitplan, sodass ein mögliches Treffen eher einem schieren Zufall gleicht, wenn sich in Zeitplan A und Zeitplan B mal eine gemeinsame Lücke von mehr als einer Stunde auftut.

Der Altersdurchschnitt im Zelt liegt bei gefühlt 13 Jahren – und das Highlight scheint es zu sein, sich die Nägel lackieren zu lassen (die liebe Irina hat ähnliche Feststellungen treffen können). Dafür steht man anscheinend auch ganz gern mal eine halbe Stunde oder sogar länger an. Wieso scheint das eigentlich wichtigste, nämlich die Mode selbst, in Berlin so in den Hintergrund zu rücken? Ist das der Grund, wieso man international doch nicht so ernst genommen wird, wie man sich das immer ganz gern selbst vorgaukelt? Ist das auch der Grund, wieso hochkarätige Labels wie Boss, Escada oder Kaviar Gauche auf einmal ohne großes Brimborium von der Bildfläche verschwinden? Die Stadt Berlin scheint das Fashion Week Zelt mit all seinen lustigen, mal mehr und mal weniger auffallenden Gästen und allem, was in dieser einen Woche in der Stadt noch so an den verschiedensten Locations heraussprießt, abstoßen zu wollen wie einen Fremdkörper. Die Taxifahrer quatschen einen an mit “Is ma wieder Fäschn Wiek?”, der Pseudo-Glam des Zeltes verpufft spätestens am Brandenburger Tor, wo sich jeder nur noch ausschließlich für sein Sightseeing-Programm interessiert. Warum auch nicht, denn die Chance, zumindest einen Blick auf hochkarätige Promis zu erhaschen oder auf exzellent gekleidetes Publikum zu treffen (und damit meine ich nicht “möglichst grell und bunt”), ist eher gering.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich liebe Mode. Ich liebe es, eine Show zu besuchen. Dieses Kribbeln, wenn es dunkel wird, kurz bevor die Musik anfängt zu spielen – aber nunja, so dunkel wird es in einer Zeit von iPads und Smartphones auch gar nicht mehr. Ich würde eine Show auch gern ansehen, ohne dass mir ein gigantisch großes Tablet die Sicht verdeckt. Nicht um ein einzelnes Bild zu machen, sondern um die gesamte Show zu filmen. Ich frage mich auch ernsthaft, wer all diese mal-eben-schnell-aus-dem-Publikum-geschossenen Bilder und Videos von fragwürdiger Qualität allen Ernstes konsumieren möchte. Ist eine Modenschau nicht mehr wert als ein unscharfes Foto mit fehlgeschlagenem Weißabgleich? Liebe Journalisten, liebe Berufs-Fotografen, an dieser Stelle verstehe ich es voll und ganz, wenn ihr uns Hobby-Blogger kritisiert. Weil genau dies das unprofessionelle Bild von Modebloggern ist, das einem während der Fashion Week vermittelt wird. Ich frage mich unweigerlich: Wollen wir das? Nein, bitte fehlinterpretiert meine Worte nicht als Kritik.

Aber wenn das Berlin ist, dann stelle ich wohl fest, dass Berlin und ich nicht (mehr?) ganz zusammenpassen. Dass ich andere Erwartungen an eine Modewoche habe. Ich weiß nicht, ob ich an einer etwas länger anhaltende After-Fashion-Week-Depression erkrankt bin, oder ob es daran liegt, dass ich letzten Sommer ein klitzekleines bisschen Pariser Modewochenluft schnuppern durfte. Dass ich das Gefühl habe, ich würde mehr nach Paris als nach Berlin passen. Dass die Mode dort mehr Spaß macht, zugleich aber auch wirklich ernst genommen wird. Eintrittskarten werden einem in Paris nicht hinterhergeworfen, dafür freut man sich umso mehr, wenn man es zu einer Hand voll Shows geschafft hat. Vor einem weitaus kleineren, dafür aber interessierter scheinendem Publikum.

Vergleiche zu ziehen, ist vielleicht falsch, aber mir ist gerade danach. Manche werden sich jetzt denken, dass ich wohl auf ziemlich hohem Niveau meckere. Dass ich mich glücklich schätzen solle, überhaupt ein paar Shows besuchen zu dürfen. Ja, natürlich tue ich das. Ich freue mich, dass meine Website den Designern und PR-Agenturen eine Karte zu einer Show wert ist, dass ich es in all den Jahren soweit gebracht habe. Natürlich hatte ich immer eine interessante Zeit in Berlin. Ich frage mich nur, ob ich modisch gesehen die deutsche gegen die französische Hauptstadt eintauschen soll. Für diese eine Woche im Jahr, in der ich die Mode in vollen Zügen genießen möchte. In der ich die Fashion Week Luft einsaugen und verinnerlichen möchte. Und soll man nicht bekanntlich genau dann aufhören, wenn es gerade am Schönsten ist?