Beiträge der Kategorie Kolumne

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Persönlichkeit im Kleiderschrank – Umzugsgedanken

Umzug – mal wieder. Umzüge eignen sich immer wunderbar um über die bisherigen Etappen im Leben nachzudenken. Während ich bis ich von zu Hause auszog immer in der gleichen Wohnung gewohnt habe, bin ich seitdem für meine Verhältnisse relativ oft umgezogen.

Das dritte mal nun in den letzten 7 Jahren. Die dritte eigene Wohnung. Ob das nun oft ist oder nicht, mag ich gar nicht zur Debatte stellen. Ich wette, da gibt es ganz andere Rekorde. Aber Umzüge sind immer gute Meilensteine, um Zeitabschnitte im eigenen Leben miteinander zu vergleichen. Und Kleidung mag man oft als oberflächlich und irrelevant sehen, aber sie beschreibt doch ganz gut die Phasen, die ich durchlebt habe.

Die erste eigene Wohnung & neue kleidungstechnische Freiheiten

Da wäre einmal mein erster Umzug in die erste eigene Wohnung. Damals, das kennt sicher jeder, habe ich mich irre erwachsen und unabhängig gefühlt. Passend dazu habe ich gefühlt meinen ganzen Kleiderschrankinhalt herausgerissen. Behalten wurde alles, was einigermaßen fancy war, wo fett ein Label draufstand oder was recht teuer in der Anschaffung war.

Da ich vorher in der Bank gearbeitet habe, habe ich kurzerhand alles aus meinem Schrank entfernt, was als businesstauglich durchgehen würde. Mann, hatte ich von seriösen Looks die Nase voll! Dazu habe ich alles weggehauen, was jahrelang der Vernunft halber oder als Andenken drin geblieben war. Die warme Winterjacke, die mir eigentlich nie gefallen hat. Oder das Tanzkurs-Abschlussballkleid, das mittlerweile einfach nur gruselig an mir aussah (nur so viel: es war schwarz und mit einem Drachen bedruckt). So ein radikales Ausmisten hat mein Schrank anschließend lange nicht mehr gesehen.

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Bloggen damals und heute – wie alles begann

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Sarah von Josie Loves hat letzte Woche einen grandiosen Post veröffentlicht, in dem sie das Bloggen 2010 und 2016 vergleicht und viele andere Blogger zu Wort kommen lässt.

Dieser Beitrag hat Phil und mich gleich mal dazu inspiriert, in unseren Archiven zu wühlen. Was wir dabei alles ausgegraben haben, hat mir zum Teil vor Lachen Tränen in die Augen getrieben. Ich dachte, ich nutze die Inspiration mal und zeige euch ein kleines Best-Of aus meinem persönlichen Blogger-Archiv.

Mein allererstes Blog-Layout sah so aus (ich habe wirklich lange nach diesem Screenshot suchen müssen!):

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Oberflächlichkeit vs. Oberflächlichkeit oder: Gehate beim Shopping Queen Fashion Blogger Special

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Ein paar liebe Bloggerkollegen – Foto geklaut von Vicky :*

Ich hatte ja schon des Öfteren einen solchen Post getippt und ihn dann doch nicht veröffentlicht. Warum? Ich bin eher ein harmoniesüchtiger Mensch und kann Konfrontation nicht leiden. Diskussion – ja, aber Streit tut mir in der Seele weh. Aber soll ich euch mal ganz ehrlich was sagen? Dieses unsägliche Gehate im Internet geht mir sowas von auf den Geist. Echt! Zum Haare raufen ist das! Glücklicherweise scheine ich in der Blogosphäre ein so kleiner Fisch zu sein, dass das kaum jemanden juckt, was ich tue, und polarisiere offenbar auch nicht. Also habe ich persönlich bisher kaum etwas abbekommen. Aber manchmal kommt mir echt die Galle hoch.
Anlass diesmal: Modebloggerwoche bei Shopping Queen. Ein durchaus weltbewegendes Thema, wie es den Anschein hat (ja, das war Sarkasmus). Glaubt ihr nicht? Ha, ich dachte es auch nicht. Aber lest selbst…

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100% Acryl – 100% Zum Kotzen?

Nachtrag 25.09.2015:
Da der Post mittlerweile zu den meistgeklickten gehört (was mich freut, denn ich saß hier wirklich lange dran) möchte ich noch ein paar Dinge anmerken. Über die rege Diskussion freue ich mich übrigens ebenfalls!

Erstens. An alle, die nun schreiben: „Wie kannst du nur Kunstfasern toll finden?“. Habt ihr den Post wirklich gelesen? Ich finde Kunstfasern nicht gut (Zitat: „Im Prinzip bin ich auch der Meinung, dass Naturfasern besser sind als Kunstfasern“). Ich habe zum Beispiel geschrieben, dass ich z.B. Baumwolle auch nicht unbedingt grandios finde. Daran ändert prinzipiell auch Bio-Baumwolle nichts. Denn die benötigt genauso Unmengen an Wasser für die Produktion. Man kann sich nun darüber streiten, ob es schlimmer für die Umwelt ist, Wasser en masse zu verbrauchen oder nicht abbaubare Kunstfaser-Pullover herzustellen – aber müssen wir das? Ist doch beides nicht das Gelbe vom Ei…

Zweitens. Dies ist ein persönlicher Blog. Keine wissenschaftliche Zeitschrift und keine Fachzeitschrift für Fasern (trotzdem habe ich recherchiert und Quellen genannt!). Im Prinzip habe ich mich schlau gemacht, worin die Unterschiede zwischen verschiedenen Kunstfasern bestehen und meine Erkenntnisse aufgeschrieben. Mehr nicht.

Drittens. Natürlich finde ich Bio-Fasern grundsätzlich besser, aber ich finde es ein wenig vermessen, gleich alles heilig zu sprechen, nur weil Bio drauf steht. Da muss man sich in meinen Augen genauso informieren, um beurteilen zu können, ob das nun wirklich gut und toll und schön ist.

Viertens. Der Post ist 2 Jahre alt und wird auch nicht ergänzt o.ä. Vielleicht gibt’s irgendwann einen Teil 2. Aber auch wenn ich mittlerweile vielleicht noch etwas fitter bin auf diesem Gebiet (siehe „Thema Nachhaltigkeit“) werde ich nicht den ganzen Post umschreiben – das ist mMn nicht der Sinn eines Blogs. Ich habe ihn für euch aber vom Format her etwas übersichtlicher gestaltet. Cheers 😉

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Als ich neulich meinen Schrank von Sommer auf Winter umräumte, packte mich das kalte Entsetzen: Keine vernünftigen Herbstpullover. Acryl, Polyester und ähnliches grinsten mich fröhlich an. Ich fragte mich ernsthaft, ob ich in den letzten fünf Jahren keinen Wert auf „gute Fasern“ gelegt habe! Aber wieso werden mir Polyester und Co. eigentlich überall madig gemacht? Was ist denn so viel besser an Baumwolle oder Wolle? Was macht die Kunstfaser so schlecht gegenüber der Naturfaser?

Ich persönlich hielt vor meiner Recherche Baumwolle für eines der wenigen vertretbaren Materialien. Schaut man sich aber in den gängigen Onlineshops um, scheint es wirklich eine Unmöglichkeit zu sein, einen Pullover zu finden, der nicht große Anteile an Polyester, Acryl oder sonstwas enthält. Schon bei den angepriesenen Produktbeschreibungen musste man eher die Wikipedia bereithalten, um überhaupt zu entziffern, woraus den Pullover xy nun hergestellt ist. 100% Baumwolle war höchst selten dabei, zumindest in der Preisklasse in der ich gesucht habe – unter 100€.

Aber was ist eigentlich drin, in den nicht-Baumwoll-Pullovern? Und ist Baumwolle wirklich so toll? Diesen Fragen bin ich auf den Grund gegangen und bin ein wenig erschüttert. Und verwirrt bin ich nun auch, denn nach stundenlanger Recherche bin ich zwar schlauer als zuvor, weiß aber dennoch nicht, welches Material mein neuer Pullover also bestenfalls enthalten sollte… Welche Fasern sind denn nun eigentlich in unseren Klamotten drin? Ein Blick aufs Etikett liefert schier unüberblickbar viele unterschiedliche Materialien. Dabei unterscheidet man in erster Linie zwischen Natur- und Kunstfasern. Bei den Naturfasern wiederum stammen manche vom Tier, manche sind pflanzlichen Ursprungs. So weit, so klar. Aber schon stehe ich vor dem ersten moralischen Problem: Wie werden die Tiere, deren Haar man verwendet damit wir im Winter nicht mit den Zähnen klappern, überhaupt behandelt?

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Drei Jahre Fashion Week Berlin: Der Versuch von einem Fazit

Ja, ich weiß, für einen Rückblick bin ich wohl auch schon fast einen Monat zu spät dran. Aber seitdem ich meinen prall gefüllten Fashion Week Koffer aus dem Kofferraum des Fernbusses wieder in mein heimeliges Wohnzimmer geschleift hatte, habe ich viel nachgedacht. Und mich auch mit einigen anderen lieben Modemenschen aus meinem Umkreis über meine Gedanken unterhalten. Und dabei festgestellt, dass ich damit gar nicht so mutterseelenallein dastehe, wie ich dachte. Nach fast drei Jahren oder auch nach sechs Saisons Fashion Week Berlin – meine erste Saison war die im Januar 2011 – ist ein persönliches Fazit längt überfällig. Ich erinnere mich noch mehr als gut an den Moment, als ich um die Weihnachtszeit herum freudestrahlend mit meiner allerersten Einladung zu einer Modenschau in der Wohnung umhergehüpft bin. Eine Einladung! Zu einer Modenschau! Ein Traum wurde wahr.

Der Zauber ist verflogen. Das klingt hart, aber irgendwie fühlt es sich so an. Die ewig gleichen uninteressanten Z-Promis in den Frontrows. Die zu großen Teilen offenbar total uninteressierte Mode-Meute. Wie sonst könnte man es sich erklären, dass auf eine Carine Roitfeld nicht gleich ein ganzer Sturm an Menschen zugerannt ist, um sie zu fotografieren? Ehrlich, ich dachte auch zuerst, ich hätte mich verguckt, da sich offenbar nur drei, vier Fotografen für sie interessierten. Aber sie war es tatsächlich, und so konnte ich in aller Ruhe ohne herumgeschubst zu werden ein Foto von ihr knipsen. Nein, Blitzlichtgewitter gibt es nur, wenn Boris Becker auftaucht. Zu gefühlt jeder einzelnen Show. Ehrlich, Leute?

Ich habe mich dann lange gefragt: Wieso fahre ich eigentlich noch nach Berlin? Da sind mir doch in der Tat mehrere Dinge eingefallen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es Designer gibt, die mich jede Saison wieder faszinieren (aber davon gibt es leider auch wenige). Dennoch finde ich es schade, immer wieder neue Talente zu entdecken, die aber spätestens ein Jahr später wieder in der Versenkung verschwunden sind. Oder auch keinen Bock mehr auf Berlin haben. Dann sind da natürlich all die lieben Bekanntschaften und Freundschaften, die sich in den Jahren so entwickelt haben. Genau wie neue interessante Menschen, auf die man trifft. Zu guter Letzt macht es natürlich großen Spaß, sich eine Show anzusehen, sich von neuen Ideen hinreißen zu lassen, sich zu freuen, wenn der Lieblingsdesigner genauso inspirierend und großartig war wie in der letzten Saison, Fotos zu knipsen, einen Beitrag zu schreiben. Aber nach dem ersten Tag hat man bereits so viel Input auf der eigenen Festplatte im Kopf und auf der des Laptops gesammelt, dass es für zwei ganze Wochen Output auf dem Blog reicht. Spätestens nach dem zweiten Tag ähnelt alles eher einem Delirium, man verfällt in Massenproduktion. Karte abholen, Sitzplatz einnehmen, Show ansehen, Beitrag verfassen und das ganze von vorn. Der Vorsatz, sich doch nur die drei am hoffnungsvollsten klingenden Shows pro Tag zu Gemüte zu führen, hält ja dann irgendwie doch nicht lange vor. Ist vielleicht auch die Gier nach möglichst schnell veröffentlichten Onlineartikeln daran Schuld? Ich habe aber auch das Gefühl, meine Gedanken zu einer Kollektion sofort irgendwo notieren zu müssen, denn spätestens eineinhalb Stunden später, wenn bereits die nächsten Models des nächsten Labels über den Runway marschieren, fangen die eben eingesogenen Impressionen bereits wieder an, zu verschwimmen. Tilt.

Im Großen und Ganzen fahre ich also nach Berlin wegen vier, fünf Highlights und um die ganze liebe Modemeute wieder zu treffen, deren Bekanntschaft man in den letzten drei Jahren machen durfte – weil man es sonst ja auch nicht schafft, sich mal zu treffen, weil man eben schlichtweg nicht in der selben Stadt wohnt. Und dann schaffe ich es noch nicht einmal, alle zu treffen, die man eigentlich sehen wollte. Denn jeder einzelne lebt in dieser einen Woche nach seinem ganz individuellen Zeitplan, sodass ein mögliches Treffen eher einem schieren Zufall gleicht, wenn sich in Zeitplan A und Zeitplan B mal eine gemeinsame Lücke von mehr als einer Stunde auftut.

Der Altersdurchschnitt im Zelt liegt bei gefühlt 13 Jahren – und das Highlight scheint es zu sein, sich die Nägel lackieren zu lassen (die liebe Irina hat ähnliche Feststellungen treffen können). Dafür steht man anscheinend auch ganz gern mal eine halbe Stunde oder sogar länger an. Wieso scheint das eigentlich wichtigste, nämlich die Mode selbst, in Berlin so in den Hintergrund zu rücken? Ist das der Grund, wieso man international doch nicht so ernst genommen wird, wie man sich das immer ganz gern selbst vorgaukelt? Ist das auch der Grund, wieso hochkarätige Labels wie Boss, Escada oder Kaviar Gauche auf einmal ohne großes Brimborium von der Bildfläche verschwinden? Die Stadt Berlin scheint das Fashion Week Zelt mit all seinen lustigen, mal mehr und mal weniger auffallenden Gästen und allem, was in dieser einen Woche in der Stadt noch so an den verschiedensten Locations heraussprießt, abstoßen zu wollen wie einen Fremdkörper. Die Taxifahrer quatschen einen an mit „Is ma wieder Fäschn Wiek?“, der Pseudo-Glam des Zeltes verpufft spätestens am Brandenburger Tor, wo sich jeder nur noch ausschließlich für sein Sightseeing-Programm interessiert. Warum auch nicht, denn die Chance, zumindest einen Blick auf hochkarätige Promis zu erhaschen oder auf exzellent gekleidetes Publikum zu treffen (und damit meine ich nicht „möglichst grell und bunt“), ist eher gering.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich liebe Mode. Ich liebe es, eine Show zu besuchen. Dieses Kribbeln, wenn es dunkel wird, kurz bevor die Musik anfängt zu spielen – aber nunja, so dunkel wird es in einer Zeit von iPads und Smartphones auch gar nicht mehr. Ich würde eine Show auch gern ansehen, ohne dass mir ein gigantisch großes Tablet die Sicht verdeckt. Nicht um ein einzelnes Bild zu machen, sondern um die gesamte Show zu filmen. Ich frage mich auch ernsthaft, wer all diese mal-eben-schnell-aus-dem-Publikum-geschossenen Bilder und Videos von fragwürdiger Qualität allen Ernstes konsumieren möchte. Ist eine Modenschau nicht mehr wert als ein unscharfes Foto mit fehlgeschlagenem Weißabgleich? Liebe Journalisten, liebe Berufs-Fotografen, an dieser Stelle verstehe ich es voll und ganz, wenn ihr uns Hobby-Blogger kritisiert. Weil genau dies das unprofessionelle Bild von Modebloggern ist, das einem während der Fashion Week vermittelt wird. Ich frage mich unweigerlich: Wollen wir das? Nein, bitte fehlinterpretiert meine Worte nicht als Kritik.

Aber wenn das Berlin ist, dann stelle ich wohl fest, dass Berlin und ich nicht (mehr?) ganz zusammenpassen. Dass ich andere Erwartungen an eine Modewoche habe. Ich weiß nicht, ob ich an einer etwas länger anhaltende After-Fashion-Week-Depression erkrankt bin, oder ob es daran liegt, dass ich letzten Sommer ein klitzekleines bisschen Pariser Modewochenluft schnuppern durfte. Dass ich das Gefühl habe, ich würde mehr nach Paris als nach Berlin passen. Dass die Mode dort mehr Spaß macht, zugleich aber auch wirklich ernst genommen wird. Eintrittskarten werden einem in Paris nicht hinterhergeworfen, dafür freut man sich umso mehr, wenn man es zu einer Hand voll Shows geschafft hat. Vor einem weitaus kleineren, dafür aber interessierter scheinendem Publikum.

Vergleiche zu ziehen, ist vielleicht falsch, aber mir ist gerade danach. Manche werden sich jetzt denken, dass ich wohl auf ziemlich hohem Niveau meckere. Dass ich mich glücklich schätzen solle, überhaupt ein paar Shows besuchen zu dürfen. Ja, natürlich tue ich das. Ich freue mich, dass meine Website den Designern und PR-Agenturen eine Karte zu einer Show wert ist, dass ich es in all den Jahren soweit gebracht habe. Natürlich hatte ich immer eine interessante Zeit in Berlin. Ich frage mich nur, ob ich modisch gesehen die deutsche gegen die französische Hauptstadt eintauschen soll. Für diese eine Woche im Jahr, in der ich die Mode in vollen Zügen genießen möchte. In der ich die Fashion Week Luft einsaugen und verinnerlichen möchte. Und soll man nicht bekanntlich genau dann aufhören, wenn es gerade am Schönsten ist?