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Persönlichkeit im Kleiderschrank – Umzugsgedanken

Umzug – mal wieder. Umzüge eignen sich immer wunderbar um über die bisherigen Etappen im Leben nachzudenken. Während ich bis ich von zu Hause auszog immer in der gleichen Wohnung gewohnt habe, bin ich seitdem für meine Verhältnisse relativ oft umgezogen.

Das dritte mal nun in den letzten 7 Jahren. Die dritte eigene Wohnung. Ob das nun oft ist oder nicht, mag ich gar nicht zur Debatte stellen. Ich wette, da gibt es ganz andere Rekorde. Aber Umzüge sind immer gute Meilensteine, um Zeitabschnitte im eigenen Leben miteinander zu vergleichen. Und Kleidung mag man oft als oberflächlich und irrelevant sehen, aber sie beschreibt doch ganz gut die Phasen, die ich durchlebt habe.

Die erste eigene Wohnung & neue kleidungstechnische Freiheiten

Da wäre einmal mein erster Umzug in die erste eigene Wohnung. Damals, das kennt sicher jeder, habe ich mich irre erwachsen und unabhängig gefühlt. Passend dazu habe ich gefühlt meinen ganzen Kleiderschrankinhalt herausgerissen. Behalten wurde alles, was einigermaßen fancy war, wo fett ein Label draufstand oder was recht teuer in der Anschaffung war.

Da ich vorher in der Bank gearbeitet habe, habe ich kurzerhand alles aus meinem Schrank entfernt, was als businesstauglich durchgehen würde. Mann, hatte ich von seriösen Looks die Nase voll! Dazu habe ich alles weggehauen, was jahrelang der Vernunft halber oder als Andenken drin geblieben war. Die warme Winterjacke, die mir eigentlich nie gefallen hat. Oder das Tanzkurs-Abschlussballkleid, das mittlerweile einfach nur gruselig an mir aussah (nur so viel: es war schwarz und mit einem Drachen bedruckt). So ein radikales Ausmisten hat mein Schrank anschließend lange nicht mehr gesehen.

„Was du damals alles so anhattest…“

Während meines Studiums war ich in der üblichen Selbstfindungsphase, die sich auch an meinem damaligen Schrankinhalt ablesen ließ. Vom Schmudelwetter-Sofa-Look mit Leggings und Ugg Boots (den ich aber auch im Hörsaal trug) über eine pinkfarbene Jaquardhose kombiniert mit einer Kunstfelljacke bis hin zu vielen unerträglichen selbstgenähten Teilen war alles dabei.

Eine gute Freundin meinte letztens: „Was du damals so alles anhattest…“
Ja, da hat sie schon recht, aber ich stehe da auch dazu. Schließlich fand ich die Sachen zu dieser Zeit einfach total super mega toll. Und sie zeigen auch, dass ich schon immer hin- und hergerissen war zwischen zwei „Idealen“: Einem dezenten Anteil von Luxus im Leben und nennen wir es mal die große Freiheit, in den Tag hinein leben, Dauerurlaub.

Dazwischen gesellte sich ein wunderbarer Sommer, in dem ich zwar nicht wirklich umgezogen bin. Aber es fühlte sich so an: meine zwei Monate in Paris haben mich im Leben vorangebracht. Ich habe viel (auch über mich) gelernt und im Nachhinein betrachtet lässt sich das auch wieder gut mit dem Inhalt meines Kleiderschranks verbildlichen. Nach Paris konnte ich nur wenige Dinge mitnehmen – ein Koffer für zwei Monate ist wirklich nicht viel. Zumal da nicht nur Kleidung mit auf die Reise geht.

Lernkurve

Ich lernte also, aus wenigen Kleidungsstücken viele Looks zusammenzustellen. Dass nicht immer jeden Tag ein komplett neues Outfit hermuss. Und dass die Hälfte der Dinge, die ich mitgenommen hatte, total unpassend und unnötig war. Vermutlich hörte hier irgendwann meine Phase der super knalligen Kleider auf, schließlich sah ich mich täglich von top gestylten Pariserinnen umgeben. Und die können einen ganz schön inspirieren – nicht nur in Sachen Kleidung. Das französische Savoir-vivre spürt man einfach.

Ich würde sagen, zu diesem Zeitpunkt wusste ich schon mehr über mich und was ich im Leben so erreichen wollte. Nach dem Studium, das ab hier noch zwei Jahre dauerte, sollte ein anständiger Job her. Am liebsten wieder in München. Auch meine Outfits wurden etwas einheitlicher, aufgeräumter. Ich würde sagen, dass sich so langsam mein Stil heraus kristallisierte: eher elegant und klassisch, als bunt und laut. Was auch zu meinem Charakter passt, ich bin eher ein ruhiger Mensch. Weniger Ramsch, aber immer noch zu wenige Basics. Ein paar Rückfälle gab es bei Primark und im H&M Sale was unnötige Kleidung betrifft, die man ohnehin nie trägt.

Umzug zurück nach München – Ende des Studiums und erster Job

Früher, nach der Zeit bei der Bank, hätte ich jeden lautstark ausgelacht der mir erzählt hätte, ich würde mal wieder einen Job mit Dresscode annehmen. Nichts engt einen mehr ein. Oder? Ich kann nicht sagen woran es liegt, aber für meinen Job nach der Uni hatte ich plötzlich schon die perfekte Garderobe im Schrank hängen. Ein größeres Ausmisten dank dem nächsten Umzug zurück nach München und ein paar neue Kleider für die Arbeit waren alles, was dazu nötig war. Fast würde ich sagen, einige Looks waren anfangs sogar sehr langweilig. Dafür hatte ich noch einige Kleidungsstücke – ich nenne sie gerne Bloggerteile – die so bunt und ausgefallen waren, dass ich sie eh nie getragen habe. Wann trägt man auch einen weißen Mantel mit Blumenmuster drauf?

Jetzt sind wir wieder im „Heute“ angekommen. Direkt hinter mir liegt der aktuelle Umzug und ich habe vier große Kartons und zwei Tüten mit Flohmarktkram herumstehen. Ich habe mich von allem getrennt, das nicht richtig passt, das mir nicht (mehr?) steht, das nie getragen wird, das doppelt und dreifach vorhanden war (wozu braucht man selbst in München 8 verschiedene Dirndl?) oder das ich einfach schon viel zu lange mitgeschleift hatte.

Übrig bleibt etwas mehr als die Hälfte. Und es tut so gut! Ich mache morgens die Schranktüren auf und ziehe ein X-beliebiges Teil heraus. Es gibt nun kein „ach, das passt ja doch nicht richtig“, „dazu habe ich nichts passendes zum kombinieren“ oder „das sollte ich echt endlich mal wieder tragen – naja beim nächsten mal“ mehr.

Und das Fazit?

Wie oben geschrieben bin ich zwischen zwei ganz verschiedenen Lebensweisen ein wenig zwiegespalten, was sich zum Beispiel in meinen Reisepräferenzen ausdrückt: zum einen liebe ich Urlaube mit Abenteuercharakter, bei denen man täglich ganz neue Dinge erlebt. Zwei Wochen ungeschminkt mit wuscheligen Haaren Strände und Städte erkundet und braun gebrannt zurück kommt. Mehr als drei Sommerkleider und ein paar Bikinis braucht man dazu nicht.

Auf der anderen Seite sind auch solche Reisen genial, auf denen man sich rund um die Uhr verwöhnen lassen kann, nichts tut außer ein paar Bücher zu lesen und ab und an schwerfällig von seiner Liege aufzustehen um zu entscheiden, ob man ins Dampfbad oder in die Sauna gehen soll. Abends macht man sich dann richtig schick und genießt ein schönes Dinner. Bin ich nun eher das eine oder das andere? Oder doch ein Mittelweg? Nein, ich glaube ich bin einfach sowohl Variante eins, als auch Variante zwei. Man muss nicht immer einen Kompromissweg finden.

Vermutlich kann man kein allgemeingültiges Resümee ziehen, aber für mich ist ganz klar: in der Kleidung spiegelt sich die Persönlichkeit wider, das habe ich an allen bisherigen Stationen im Leben so gesehen. Und selbst wenn man auf Kleidung überhaupt keinen Wert legt – ist das dann nicht auch wieder ein Ausdruck seines Charakters?

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2 comments on “Persönlichkeit im Kleiderschrank – Umzugsgedanken

  1. Bianca says:

    Ein toller Post und so wahre Worte. Das erste Mal habe ich meinen Schrank ausgemistet, als ich ins Studentenwohnheim gezogen bin. Da war einfach nicht so viel Platz. Aber seitdem sind 11 Jahre vergangen und es wird langsam mal wieder Zeit. Da sammelt sich immer so viel an….
    Viele Grüße Bianca
    http://ladyandmum.blogspot.de

  2. Laura says:

    Ein toll geschriebener Post und alles, was du sagst, ist absolut wahr! Ausmisten kann so befreiend sein und außerdem lässt man so auch immer einen Teil der Vergangenheit hinter sich oder kann endlich damit abschließen. Für mich steht es daher auch regelmäßig auf dem Programm. Übrigens: Falls du noch Inspirationen brauchst, wie das Ausmisten besser gelingt, klick dich mal rein: https://www.hoseonline.de/blog/kleiderschrank-aufraeumen-mit-system-10-tipps-um-den-kleiderschrank-effektiv-auszumisten/
    Liebe Grüße,
    Laura von HoseOnline